Möhwald, Galerie Talstrasse 2025

Ausgangspunkt von „Möhwald SLAMMED“ sind keramische Kunstwerke, die für eine photogrammetrische Erfassung aus zahlreichen Einzelaufnahmen rekonstruiert wurden. Noch bevor daraus ein bereinigtes, geschlossenes 3D-Modell entsteht, fallen Texturen an, die das Objekt zerlegen und zugleich neu zusammensetzen: Böden, Henkel, Glasuren, Risse und Beschriftungen erscheinen als atlasartige Flächen. Diese halb aufbereiteten Daten waren zunächst nur ein technisches Zwischenprodukt. In ihrer Dichte und Materialität erwiesen sie sich jedoch als eigenständige Bilder – Dokumentation und zufällige Collage zugleich.

Die Wirkung entsteht aus einem produktiven Widerspruch. Obwohl die gescannten Objekte selbst Kunstwerke sind, entzieht die flache Abwicklung ihnen Maßstab, Körper und vertraute Perspektive. Was im Raum als Keramik lesbar ist, kippt hier in Muster, Landschaft oder archäologische Schichtung. Fehlstellen, Wiederholungen und harte Übergänge werden nicht als Defekte verborgen, sondern als sichtbare Spuren des digitalen Blicks behandelt. Der Scan bildet das Werk deshalb nicht einfach ab; er erzeugt eine zweite, technisch vermittelte Oberfläche mit eigener ästhetischer Logik.

Die Texturatlanten waren nicht als Bilder vorgesehen, sondern entstanden als Zwischenstufe der photogrammetrischen Rekonstruktion. Ihre Anordnung folgt technischen Anforderungen: Sichtbare Oberflächen werden zerlegt, gedreht, skaliert und möglichst effizient auf einer Fläche verteilt. Erst beim Durchsehen dieser Dateien zeigte sich ihre unerwartete bildnerische Qualität. Der Zufall liegt hier nicht in der Berechnung selbst, sondern in der Entdeckung eines Bildes an einer Stelle, an der lediglich Prozessdaten zu erwarten waren.

Scans: Stephan Retzlaff
Objekte: Martin Möhwald
Ort: Galerie Talstrasse, Halle